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Juli 2019

Palliativbereich ermöglicht Patienten mehr Lebensqualität

Im neu geschaffenen Palliativbereich rückt das St. Josef Krankenhaus Wiesdorf die besonderen Bedürfnisse nicht nur älterer Menschen mit unheilbarer Krankheit in den Mittelpunkt.

Alebachew Moges Tarekegne und Chefarzt Sascha Wihstutz (von links) zeichnen für den neuen Palliativbereich im St. Josef Krankenhaus Wiesdorf verantwortlich.

Nicht immer können Krankheiten geheilt werden. Umso wichtiger ist es dann, so gut wie möglich belastende Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit zu lindern. Deshalb hat das St. Josef Krankenhaus Wiesdorf einen Palliativbereich nicht nur für geriatrische Patienten eingerichtet. „Als Spezialklinik für Geriatrie sind wir auf die besonderen Bedürfnisse des alternden Menschen ausgerichtet“, erklärt Chefarzt Sascha Wihstutz. Mit seinem rehabilitativen Ansatz kann das multiprofessionelle Geriatrie-Team vielen Senioren nach Stürzen, Operationen oder Krankheit helfen, ihr Leben wieder möglichst selbstständig zu führen. „Zur Altersmedizin gehört aber naturgemäß auch, sich stärker als in anderen medizinischen Fachdisziplinen mit dem nahenden Lebensende auseinanderzusetzen“, sagt Sascha Wihstutz. „Wenn keine Aussicht auf Heilung besteht, ist es nicht unser vorrangiges Ziel, das Leben künstlich zu verlängern. Vielmehr möchten wir eine Lebensqualität ermöglichen, die so hoch ist, wie es geht.“ Wichtig ist dem Geriater die Abgrenzung zum Angebot eines Hospizes: „Wer in unserem Palliativbereich behandelt wird, verstirbt nicht unbedingt dort. Im Vordergrund steht eine symptomorientierte Therapie wie zum Beispiel die individuelle Schmerztherapie bei unheilbaren Erkrankungen.“

Natürlich ist ein palliativer Behandlungsansatz ein wichtiger Baustein in der Geriatrie, der neu geschaffene Bereich nimmt aber prinzipiell Patienten jeder Altersgruppe mit unheilbaren Erkrankungen für einen palliativen Therapieansatz auf.

Das Team sorgt sich deshalb um ein gutes Leben und Sterben von hochbetagten oder auch jüngeren Menschen, die von mehreren Krankheiten und möglicherweise auch von Demenz betroffen sind. Geleitet wird der Palliativbereich von Alebachew Moges Tarekegne. Zu den Räumlichkeiten zählen ein Aufenthaltsraum mit Teeküche und Sitzecke sowie ein Rooming-in-Zimmer für Angehörige und Freunde, die in der Nähe ihrer Lieben sein möchten. Der Bereich ist in warmen Farben gestaltet, und mit wohnlichen Möbeln und Fußboden in Holzoptik ausgestattet. „Wir möchten Nähe, Hoffnung und Geborgenheit spenden“, erklärt Alebachew Moges Tarekegne. „Eine Umgebung zum Wohlfühlen gehört deshalb zum Konzept.“

Um jeden Patienten so gut es geht von belastenden Symptomen zu befreien, setzt das Team auf individuelle Schmerztherapie. Wenn die Patienten in ihrer Kommunikation eingeschränkt sind, kommen dabei nicht-verbale-Testverfahren zum Einsatz, damit die Ärzte die Schmerzen einschätzen können. „Nicht nur bei dieser Aufgabe ist es wichtig, dass unser Team sensibel mit den Patienten umgeht“, betont Alebachew Moges Tarekegne. „Den Menschen in seiner Ganzheit begreifen und behandeln ist unser Anliegen.“ Für die Schmerztherapie stehen verschiedene Möglichkeiten von der abgestuften Arzneimitteltherapie einschließlich Opiattherapie bis hin zu Elektro-, Thermo- und Hydrotherapieverfahren zur Verfügung. Manuelle Lymphdrainagen und Atemtherapien, aber auch empathische Zuwendung, ausgiebige Gespräche und Miteinbeziehung von Angehörigen tragen dazu bei, Schmerzen zu reduzieren und Ängste zu lösen. „Unsere Patienten leiden unter ganz unterschiedlichen Krankheiten, typischerweise an mehreren zugleich“, erklärt Sascha Wihstutz. „Bei jedem Einzelnen entscheiden wir, was speziell für ihn die beste Option ist.“

Über die Therapie hinaus berät und begleitet das Team die Patienten und ihre Angehörigen. „Wir möchten in schwierigen Situationen entlasten und dazu beitragen, die Wünsche von Betroffenen und ihren Familien zu erfüllen“, sagt Alebachew Moges Tarekegne. „Die Bedürfnisse unserer Patienten sind besonders. Im Palliativbereich können wir auf sie eingehen.“



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