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April 2019

Gebärmutterhalskrebs durch frühe Dysplasie-Diagnose verhindern

Das St. Josefs Krankenhaus Hilden bietet neue Spezialsprechstunde an

Oberärztin Dr. Britta Sichelschmidt-Brux bietet am St. Josefs Krankenhaus Hilden eine neue Dysplasie-Sprechstunde an. Unterstützt wird sie von Chefarzt Krystian Kuboth.

Einmal jährlich sollten Frauen zur Vorsorgeuntersuchung beim niedergelassenen Gynäkologen gehen. Wenn dieser dabei tatsächlich eine Veränderung am Gebärmutterhals feststellt, löst das bei den Betroffenen oft Angst aus. „Viele  Frauen denken dann, sie seien an Krebs erkrankt, aber fast immer handelt es sich um gutartige Vorstufen“, erklärt Dr. Britta Sichelschmidt-Brux. Die Oberärztin leitet die neue Dysplasie-Sprechstunde der Gynäkologie am St. Josefs Krankenhaus Hilden. In dieser klärt sie die Veränderungen ab und entfernt sie im Bedarfsfall schonend. Damit schließt das Krankenhaus eine Versorgungslücke in der Region rund um Hilden. Denn zwischen Wuppertal und Düsseldorf gab es bislang keine Dysplasie-Sprechstunde und Patientinnen mussten weitere Anfahrten in Kauf nehmen.  

Dysplasien sind Zellveränderungen im Bereich des Gebärmutterhalses, der Scheide oder des äußeren Genitalbereichs. „Sie sind nicht bösartig, können sich aber zu Krebs entwickeln“, erklärt Krystian Kuboth, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe. „In etwa 98 Prozent der Fälle entsteht Gebärmutterhalskrebs aus Dysplasien. Der Großteil der bösartigen Erkrankungen könnte also durch eine rechtzeitige Diagnose verhindert werden.“ Das tückische: Die Dysplasien verursachen keinerlei Beschwerden und werden von den Betroffenen selbst fast nie bemerkt. „Umso wichtiger ist es, die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim niedergelassenen Frauenarzt wahrzunehmen“, betont Krystian Kuboth. „Leider tun das nur knapp 40 Prozent aller Frauen.“  

In ihrer Spezialsprechstunde untersucht und behandelt Dr. Britta Sichelschmidt-Brux die Frauen, bei denen Auffälligkeiten festgestellt wurden. Auf dem Untersuchungsstuhl kontrolliert die Gynäkologin den Gebärmutterhals und die Scheide mit einem speziellen Mikroskop, dem sogenannten Koloskop. So kann sie das Gewebe fünfzehnfach vergrößert betrachten. Um besser zwischen gesundem und verändertem Gewebe unterscheiden zu können, tupft sie dreiprozentige Essigsäure auf. „Das Prozedere fühlt sich kaum anders an als die gewohnte Vorsorgeuntersuchung und tut nicht weh“, betont die Ärztin. „Es ziept maximal etwas und sollte eine kleine Gewebeprobe erforderlich sein, ist auch eine örtliche Betäubung möglich.“ 

Welche Therapie in Frage kommt, hängt vom Stadium der Dysplasie und den Bedürfnissen der Patientin ab. Um möglichst schonend behandeln zu können, hat das St. Josefs Krankenhaus Hilden eigens in einen modernen Laser investiert. „Damit können wir das veränderte Gewebe zerstören und zugleich die umliegenden gesunden Bereiche bestmöglich schützen“, erläutert Dr. Britta Sichelschmidt-Brux. Zugute kommt das vor allem jungen Frauen mit Kinderwunsch, denn ältere Verfahren wie das Entfernen der Dysplasien mittels einer elektrischen Schlinge oder durch das Ausschneiden eines kegelförmigen Gewebestücks aus dem Muttermund, können das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen. Aber gar nicht immer ist eine Therapie notwendig. Kleine Veränderungen können sich in bis zu 50 Prozent der Fälle von alleine zurückbilden und es genügen Kontrolluntersuchungen.  

Ausgelöst werden Dysplasien durch sogenannte Humane Papilloviren (HPV), die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. „Schätzungsweise 80 Prozent aller Frauen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem Virus“, sagt Dr. Britta Sichelschmidt-Brux. Manche dieser Viren sind harmlos, andere sind risikoreich und verursachen Dysplasien. Bei etwa 80 Prozent der infizierten Frauen gelingt es dem Immunsystem, das Virus zu bekämpfen. Bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen mit einer risikoreichen Virusvariante entwickeln sich Gewebeveränderungen. Rauchen, Vitaminmangel und chronischer Stress erhöhen das Risiko einer Dysplasie, weil dadurch die Immunabwehr geschwächt wird. „Gebärmutterhalskrebs betrifft längst nicht nur ältere Frauen, wie viele glauben“, sagt Krystian Kuboth. „Wir behandeln immer wieder Patientinnen, die um die vierzig Jahre alt oder sogar jünger sind. „Ich kann allen Frauen nur raten, zur Vorsorge zu gehen.“ 

 



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