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September 2018

Lungenkranke trainieren gemeinsam am Opladener Wupperufer

Aus Angst vor Atemnot neigen viele Patienten mit Lungenerkrankungen dazu, körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Mit dem „Walk an der Wupper“ wollen die Leverkusener Pneumologen zeigen, dass man trotz einer chronischen Lungenerkrankung körperlich aktiv sein kann – und soll. Hierzu begleiteten sie ihre Patienten auf einen zwei oder fünf Kilometer langen Weg entlang der Wupper.

COPD, Fibrosen, Operationen - die Erkrankungen der Teilnehmer beim Leverkusener Lungenlauf waren vielfältig. Dr. Claudia Münks-Lederer, Chefärztin am St. Remigius Krankenhaus Opladen, gehörte zu den begleitenen Pneumologen.

Am Ufer der Wupper in Leverkusen-Opladen trafen sich Lungenkranke zu einem ärztlich begleiteten Spaziergang. Foto: Kplus Gruppe

Angestrengt, aber glücklich – das ist das Fazit von Gabi Haas nach ihren fünf Kilometern. Die Leichlingerin hat bereits mehrere Operationen hinter sich, ein Lungenflügel musste entfernt werden. Kein Grund für die 64-Jährige den Kopf in den Sand zu stecken. „Man muss sich mit der Krankheit arrangieren, ein bisschen umdenken und darf sich vor allem nicht genieren.“ Gabi Haas nimmt die Herausforderung ihrer Lungenerkrankung an und machte sich mit Gleichgesinnten, Ärzten und Therapeuten auf die Wanderung am Opladener Wupperufer. Nach einer Aufwärmrunde mit der Atemtherapeutin Carola Adams ging es wahlweise auf eine zwei oder fünf Kilometer lange Runde.


Eingeladen hatten die Leverkusener Lungenfachärzte Dr. Norbert Mülleneisen, Dr. Manfred Springob, Dr. Astrid Bannert-Cybulski und Dr. Claudia Münks-Lederer, die ihre Patienten nicht nur in Praxis und Krankenhaus, sondern auch auf diesem Weg im Wald begleiteten. Sie motivierten, bremsten auch, wenn sich die ersten Anzeichen einer Überforderung zeigten. Dann hieß es durchschnaufen, ausruhen, der Lunge eine Auszeit geben. „Es ist mitunter schwierig, Patienten zu vermitteln, dass sie trotz einer eingeschränkten Lungenfunktion körperlich aktiv bleiben sollen“, sagt Dr. Claudia Münks-Lederer, Chefärztin am St. Remigius Krankenhaus Opladen. „Dabei ist inzwischen bewiesen, dass eine regelmäßige Bewegung in Kombination mit der richtigen Medikation die Koordination, Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit verbessert und die Patienten trotz der chronischen Lungenerkrankung länger und besser leben.“ Beim „Walk an der Wupper“ hatten darüber hinaus noch Spaß in der Natur und der Gesellschaft mit anderen haben. Die Gemeinsamkeit können Patienten auch regelmäßig bei der Selbsthilfegruppe „Atmen“ erleben, die sich während des Lungenlaufs präsentierte.


Bewegung ist eine gute Ergänzung zu Medikamenten. Das ist auch die Motivation für Dr. Ulrich Burkert von Berlin Chemie als Organisator der Veranstaltung. „Ich sehe Lungensport und Medikamente als ein Gesamtpaket.“ Wie gut dieses Gesamtpaket funktioniert zeigt Marlene Eilders, die schon seit  30 Jahren im Lungensport aktiv ist – erst bei der Stadt, dann beim Verein für Gesundheitssport, jetzt beim TSV Bayer 04 Leverkusen. „Außerdem gehe ich jeden Tag bei Wind und Wetter mit unserem Hund raus“, erzählt die 74-Jährige, deren Kondition auch ihre Lungenfachärztin Dr. Astrid Bannert-Cybulski überrascht. „Wir sehen unsere Patienten ja immer nur in der Praxis, hier in der Natur erleben wir sie unter ganz anderer Belastung“, zieht die Pneumologin ebenfalls ein positives Fazit.


Heike Bösel jedenfalls ist überzeugt und hat sich gleich zum nächsten Patientenspaziergang angemeldet, der während des Leverkusener Gesundheitstages am 15. September dann am Ufer der Dhünn stattfindet. Damit ist für Dr. Norbert Mülleneisen ein großes Ziel erreicht: „Wir wollten die Patienten anspornen und zeigen, dass sie mehr machen und aktiver sein können.“



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