Details

Juli 2018

St. Remigius Krankenhaus Opladen hilft Mädchen aus Afghanistan

Anderthalb Jahre hat sich Priv.-Doz. Dr. Ralf Decking mit seinem Team um Safya gekümmert. Der bei einem Unfall zerstörte Unterschenkelknochen musste entfernt und neu aufgebaut werden. Heute kann die Neunjährige wieder laufen.

Knochenaufbau im Schienbein: Safya aus der afghanischen Provinz Khost wurde von Priv.-Doz. Dr. Ralf Decking und seinem Team ein neuer Knochen gebaut. Heute kann Safya wieder selbst laufen - auch dank spezieller orthopädischer Schuhe.

Haben allen allen Grund zur Freude. Gemeinsam haben der Geschäftsführer von OrthoLev Alkuin Perez-Schneider und der Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie Priv.-Doz. Dr. Ralf Decking der kleinen Safya, die von der Kinderhilfsorganisation Friedensdorf International zur medizinischen Vesorgung aus Afghanistan nach Deutschland geholt wurde, geholfen.

Selbstbewusst geht Safya durch den Raum. Im Frühjahr 2017 war das noch nicht möglich. „Safya hüpfte mit einer Gehhilfe irgendwie zur Untersuchungsliege“, erinnert sich Priv.-Doz. Dr. Ralf Decking. Seither hat der Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie mit seinem Team am St. Remigius Krankenhaus Opladen viel getan, damit die Neunjährige im August wieder zu ihrer Familie in die kleine afghanische Provinz Khost an der pakistanischen Grenze zurück kann – auf ihren eigenen Beinen.


Mit dem 75. Afghanistan-Einsatz der Hilfsorganisation Friedensdorf International kam Safya mit rund 100 anderen Kindern zur medizinischen Versorgung nach Deutschland. Vermutlich aufgrund eines Verkehrsunfalls hatte sich nach mehreren Operationen in Afghanistan eine ausgeprägte mehrfach fistelnde Knochenentzündung des linken Schienbeins und des Sprunggelenks mit multiresistenten Keimen entwickelt. „Vom Schienbein war nicht mehr viel übrig“, erinnert sich Priv.-Doz. Dr. Ralf Decking und blickt auf das erste Röntgenbild von Safyas Schienbein.


Anderthalb Jahre und sechs Operationen später steht Safya fest auf eigenen Beinen. Priv.-Doz. Dr. Ralf Decking hat zunächst die Entzündung ausheilen lassen, den zerstörten Unterschenkelknochen entfernt und ihn mit Eigenknochen aus Safyas Beckenkamm und mit Material aus der Knochenbank des Krankenhauses wieder aufgebaut. Das neue Schienbein muss noch stabiler werden, deshalb soll das aufgeweckte Mädchen spezielle orthopädische Schuhe tragen, die OrthoLev angefertigt hat. Auch der Längenunterschied der Beine wird so auch ausgeglichen. Für Geschäftsführer Alkuin Perez-Schneider ist das Engagement selbstverständlich – wie das St. Remigius Krankenhaus Opladen arbeitet OrthoLev kostenfrei für die Kinder des Friedensdorfs. Beide sind nicht zum ersten Mal dabei. Das Engagement für die Kinderhilfsorganisation aus Oberhausen dauert schon viele Jahre an.


Die Behandlung war schmerzhaft und die Verständigung am Anfang schwierig. „Safya spricht einen seltenen Dialekt“, sagt der Chefarzt der Orthopädie. „Der Dolmetscher und sie haben sich nicht verstanden.“ Insbesondere die Pflegekräfte haben sich – unterstützt von Ehrenamtlern des Friedensdorfes – intensiv um das Mädchen gekümmert. Inzwischen spricht Safya aber gut Deutsch und will genau wissen, wann sie die Gehhilfen noch benutzen muss (nur wenn sie die Schuhe nicht trägt). Und ob sie bei einer weiteren Operation in drei Jahren wieder einen Fixateur haben muss, der den Knochen stabilisiert. „Das linke Bein wird nicht mehr richtig mitwachsen“, erklärt der Orthopäde. „Wir hoffen, dass Safya mit 13 Jahren noch einmal zu uns kommen kann, damit den Längenunterschied ausgleichen können.“


Aber erst einmal wird Safya im August die Heimreise antreten. Sie hat – trotz aller liebevollen Betreuung in Deutschland – Sehnsucht nach ihrer Familie. Aber sie weiß auch, was sie den Helfern aus Deutschland zu verdanken hat. Leicht drückt das Mädchen die Hand des Arztes: „Danke, dass Du mich operiert hast.“



< Schlaganfall-Bus: Nächster Halt Solingen Hauptbahnhof