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Juni 2018

Stress- und Belastungsinkontinenz – (k)ein Tabu, Infoveranstaltung in Hilden: 19. Juni, 18 Uhr

Es passiert beim Niesen oder Husten, beim Lachen, beim Sport oder bei anderen Dingen, die den Druck im Bauchraum erhöhen: Plötzlich schießt Urin aus der Blase. Mediziner nennen diese Form von Blasenschwäche Belastungsinkontinenz. Die frühere Bezeichnung dafür war Stressinkontinenz, abgeleitet vom englischen Wort "stress" (zu Deutsch: "Druck", "Belastung", "Anstrengung"). Da der alte Begriff jedoch auf eine falsche Fährte führt, weil er Inkontinenz mit psychischem Stress verbindet, ersetzt ihn heute oft der Ausdruck Belastungsinkontinenz. Am 19. Juni, ab 18 Uhr erfahren Interessierte im Kplus Forum mehr zu Therapiemöglichkeiten.

Türschloss

Bei einer Stress- bzw. Belastungsinkontinenz ist der Schließmechanismus der Harnröhre beschädigt. Sie tritt bei Frauen wesentlich häufiger auf als bei Männern. Ursache dafür ist eine Schwächung der Beckenbodenmuskeln, zu der es durch Schwangerschaft und Entbindung, Bindegewebsschwäche oder durch die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre kommen kann.

„Viele Frauen glauben leider immer noch, sie müssten sich mit einer Blasenschwäche arrangieren. Nur etwa jede vierte Betroffene geht zum Arzt“, weiß Oberärztin Dr. Britta Sichelschmidt-Brux, Leiterin der Beratungsstelle Inkontinenz am St. Josefs Krankenhaus Hilden. Gründe für die Stressinkontinenz gibt es viele. Neben Veranlagung, Alter, Schwangerschaft, Geburt und Wechseljahren ist Übergewicht ein weiterer  Risikofaktor für einen schwachen Beckenboden. Ein schlaffer Beckenboden kann dem Druck, der von oben auf die Blase wirkt, nicht genug entgegensetzen. Ein Beckenbodentraining ist oft die erste Wahl zur Behandlung. In bestimmten Fällen, zum Beispiel während der Wechseljahre, kommt oft auch eine Therapie mit örtlich wirkenden Östrogenen zum Einsatz, die Inkontinenz lindern oder sogar heilen können.

Nur wenn konservativen Therapien keinen Effekt haben, sollte über eine Operation nachgedacht werden. Hierfür  gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es können Vaginalbänder über einen kleinen Schnitt in der Scheidenwand eingeführt und unter der Harnröhre eingelegt, mit der sie nach etwa drei Monaten vollständig verwachsen. Die Harnröhre wird dadurch gestützt und kann Druckanstiege im Bauchraum besser aushalten. Es können jedoch auch sogenannte Bulking agents um die Harnröhre gespritzt werden und so bei Belastung zu einem Verschluss der Harnröhre führen.

Sollte eine Operation angezeigt sein, ist die Abteilung für Gynäkologie unter der Leitung von Chefarzt Krystian Kuboth im St. Josefs Krankenhaus Hilden gut aufgestellt. Die beiden Hildener Mediziner plädieren engagiert für ein offenes Wort. Sie wissen, dass sich eine Belastungsinkontinenz so verschlimmern kann, dass die Bewältigung des Alltags für Betroffene zu einer Tortur werden kann. Aus Angst, unterwegs könnte etwas in die Hose gehen, trauen sich viele Betroffene kaum aus ihrer Wohnung. Doch Scham hält sie davon ab, sich einem Arzt anzuvertrauen. „Das Thema Inkontinenz ist geprägt durch Vorurteile und Fehlurteile. Dem wollen wir mit unserem Informationsabend entgegenwirken“, sagt Chefarzt Krystian Kuboth. „Unser Ziel ist es, dass Inkontinenz als das wahrgenommen wird, was es ist: Ein verbreitetes Problem, gegen das es aber sehr gute Hilfen gibt“, so noch einmal Dr. Britta Sichelschmidt-Brux.

Am Informationsabend werden verschiedene Therapiemöglichkeiten bei Stressinkontinenz vorgestellt und erklärt. Der Eintritt ist frei.



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