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März 2018

Frauenpower in Leverkusen

Nur hinter vorgehaltener Hand wird von manchen ärztlichen und politischen Funktionären von einer nicht mehr aufzuhaltenden Feminisierung der Medizin gesprochen: Etwa 65 Prozent aller zum Medizinstudium Zugelassenen sind Frauen. Mancherorten wird sogar schon der Ruf nach Männerquote laut.

Chefärztinnen Dr. Mahdis Najafpour (li.) und Dr. Claudia Münks-Lederer und Krankenhaus-Direktorin Daniela Becker mit Rosen zum Weltfrauentag.

Chefärztinnen Dr. Mahdis Najafpour (li.) und Dr. Claudia Münks-Lederer und Krankenhaus-Direktorin Daniela Becker verteilen am Internationalen Frauentag Rosen an ihre Kolleginnen.

Das alles schreckt Daniela Becker nicht, die seit kurzem die Krankenhaus-Leitung im St. Remigius Krankenhaus Opladen und St. Josef Krankenhaus Wiesdorf übernommen hat. Heute, am Internationalen Frauentag, überreicht sie allen weiblichen Mitarbeitern des Hauses eine Blume, verbunden mit einem ausdrücklichen Dank für die geleistete Arbeit. „Die Kultur ist in der Medizin schon eher konservativ“, so Daniela Becker. „Aber auch bei uns gibt es viel Bewegung.“ Mittlerweile sind von acht Chefarztpositionen zwei mit Frauen besetzt. Auf der Ebene der Oberärzte ist eine Angleichung der Geschlechterverhältnisse schon in vielen Abteilungen vollzogen. Nahezu die Hälfte der medizinischen Führungskräfte sind Frauen. 

Auf die Frage, was sie ihren Kolleginnen bzw. jungen Medizinerinnen rät, antwortet  Dr. Mahdis Najafpour, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Remigius Krankenhaus Opladen: „Ich rate dazu, selbstbewusst zu verhandeln, sich nicht einschüchtern zu lassen, Vergleiche zu ziehen und vor allem, nicht aufzugeben.“ Ihre Kollegin Dr. Claudia Münks-Lederer, Chefärztin der Inneren Medizin, pflichtet ihr bei und ergänzt: „Warum sollten Frauen diesen anspruchsvollen Aufgaben weniger gewachsen sein?“ 

Eines von vielen Hindernissen für den weiblichen Weg in die Führungsetage ist, dass der Karriereknick oft pünktlich mit dem ersten Kind einsetzt. Geht der Vater nicht in Elternzeit, bleiben viele Ärztinnen zu Hause und finden erst später wieder in den Beruf zurück. Daher liegt in der Umsetzung von neuen Arbeitszeitmodellen sowie der Erprobung von organisatorischen Strukturen in einem Umfeld, dass 24 Stunden Bereitschaft hat, eine wichtige Herausforderung für das Direktorium. Auf die Frage, ob ein Job-Sharing denkbar wäre, um beispielsweise auch während der Elternzeit auf Halbtagsbasis als leitende Ärztin arbeiten zu können, antwortet Daniela Becker knapp: „Warum nicht?“ Peter Orth, Pflegedirektor für die beiden katholischen Häuser und ebenfalls Mitglied im Direktorium, ergänzt lachend: „In der Pflege sind wir da schon wesentlich weiter. Es gibt kaum ein Stundenkontingent, das nicht in der Praxis Anwendung findet. Das kommt allen Beteiligten zugute“



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