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Oktober 2019

Rundum gesund in Langenfeld: Inkontinenz – (k)eine falsche Scham

Inkontinenz ist nach wie vor ein Tabuthema. Den meisten Betroffenen fällt es schwer, über Ihre Probleme und Erfahrungen zu reden. Dabei kann ihnen nach einer gründlichen Diagnose sehr gut geholfen werden. Um Tabus abzubauen und einen Erfahrungsaustausch, ohne Vorbehalte zu ermöglichen, findet der nächste medizinische Vortrag der Reihe „Rundum gesund in Langenfeld“ zu diesem Thema statt. Am 29. Oktober, von 18-20 Uhr stehen drei ausgewiesene medizinische Experten aus dem St. Josefs Krankenhaus Hilden im Pfarrsaal St. Martin Langenfeld, Kaiserstraße 28, Rede und Antwort.

Inkontinenz ist ein gesellschaftliches Tabu, häufig sogar ein Familiäres. Kleine Kinder lernen spätestens ab dem dritten Lebensjahr, nicht mehr in die Hose zu machen. Doch allein in Deutschland erleben mehrere Millionen Frauen und Männer täglich, dass ihr Körper sich nicht an diese Regel hält. Fast jeder Zehnte in Deutschland leidet unter Harn- oder Stuhlinkontinenz. Den betroffenen Menschen fällt es schwer, über ihr Leiden sprechen. Doch ein Patient, der sich nicht behandeln lässt, wird von seiner Krankheit beherrscht. Schon beim Verlassen des Hauses kreisen seine Gedanken darum, wo er im Notfall eine Toilette finden kann. Ständig kontrolliert er seine Flüssigkeitszufuhr. Bei Veranstaltungen und Terminen überkommt ihn häufig ein Panikgefühl, das ihn zwingt, den Raum zu verlassen. Im schlimmsten Fall verlässt er das Haus gar nicht mehr. Solche Fälle kennt auch Krystian Kuboth, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Josefs Krankenhaus in Hilden. Entschieden sagt er: „Das muss nicht sein, denn die Chancen auf Heilung der Harninkontinenz sind sehr gut. Je nach Ausprägung und Ursache gibt es unterschiedliche Therapiemöglichkeiten.“ In Fällen von starker oder weit fortgeschrittener Inkontinenz kann es sein, dass eine Operation nötig wird, doch in jedem Fall sind die Möglichkeiten der Behandlung von Inkontinenz so weit fortgeschritten, dass sie jedem Betroffenen ein in vieler Hinsicht normales Leben ermöglichen können.

Die Stuhlinkontinenz, an der in Deutschland ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung in unterschiedlicher Ausprägung leiden, wird in der Gesellschaft noch stärker verschwiegen. Zu den Betroffenen gehören vor allem Senioren und Menschen nach Krebsoperationen oder Schlaganfällen. Eine Ursache kann z.B. eine Nervenschädigung nach einem operativen Eingriff oder eine schwache Beckenbodenmuskulatur sein. „Aber auch hier sind die Möglichkeiten der Behandlung sehr gut. Nach einer gründlichen Diagnostik und mithilfe einer gezielten Therapie kann die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend verbessert werden. Ein operativer Eingriff ist nur in wenigen Fällen nötig“, führt Dr. Peter Philipp Pohl, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Hildener Krankenhaus aus. Während er an dem Informationsabend einen Überblick zum Thema „Funktion und Erkrankungen des Enddarms“ gibt, stellt seine Kollegin Melek Yaran das spezielle Verfahren der Schrittmacher-Implantation vor. Mit diesem Verfahren wird eine langfristige Verbesserung bei 80-85% aller Patienten erreicht.

 

In jedem Fall geht es den drei Medizinern darum, das Thema aus der verschwiegenen Ecke herauszuholen und zu zeigen, dass Inkontinenzpatienten nicht allein dastehen und ihrem Schicksal ausgeliefert sein müssen. Dieser Anspruch eint das Engagement der Referenten, den Dr. Peter Philipp Pohl zusammenfasst: "Betroffene müssen wissen, wer ihre Ansprechpartner sind und welche großen Heilungschancen sie haben."



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