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Januar 2017

Gefäßzentrum Rheinland Haan: Die Zeitbombe Aneurysma entschärfen

Jährlich sterben in Deutschland etwa 12.000 Menschen an einem unentdeckten Bauchaortenaneurysma. Jetzt soll die Ultraschalluntersuchung, mit der die gefährliche Aussackung der Bauchaorta entdeckt werden kann, in den Vorsorgekatalog aufgenommen werden. Dr. Udo Huberts, Leiter des Gefäßzentrums Rheinland Haan, das als einzige Abteilung im Kreis Mettmann Bauchaortenaneurysmen operieren darf, im Gespräch.

Gefäßchirurg Dr. Udo Huberts fordert eine regelmäßiche Ultraschalluntersuchung des Bauchraums, um Patienten helfen zu können bevor ein Bauchaortenaneurysma lebensgefährlich wird und platzt.

Dr. Udo Huberts, Leiter des Gefäßzentrums Rheinland Haan, setzt sich für das Screening der Bauchaorta ein. Foto: Kplus Gruppe

Was versteht man unter einem Bauchaortenaneurysma?
Dr. Udo Huberts: Das Bauchaortenaneurysma ist eine gefährliche Erweiterung der Hauptschlagader im Bauchraum. Normalerweise ist das Gefäß bei Männern etwa 1,5 Zentimeter groß – verdoppelt es sich im Durchmesser sprechen wir von einem Aneurysma.

Die letzte Entscheidung steht zwar noch aus, aber nun soll die Untersuchung in den Vorsorgekatalog aufgenommen werden.
Dr. Udo Huberts: Endlich. Wir Gefäßchirurgen kämpfen schon lange für das Screening als breit angelegte Vorsorgeuntersuchung. Die Untersuchung kann viele Leben retten. Davon bin ich überzeugt. Man muss sich eine Zahl verdeutlichen: Nur etwa die Hälfte aller Patienten, bei denen ein Bauchaortenaneurysma platzt, erreicht das Krankenhaus lebend. Würden wir diese Patienten früher erkennen, könnten wir im Vorfeld durch eine Operation helfen.

Merken Patienten nicht, dass sie eine Aneurysma haben?
Dr. Udo Huberts: Es ist eine tickende Zeitbombe, weil es so lange Zeit ohne Symptome bleibt. Erst wenn die Bauchaorta reißt, kommen die Schmerzen – doch dann bleibt oft nicht mehr viel Zeit. Heute ist es oft noch so, dass die Aussackung zufällig entdeckt wird, wenn aus anderen Gründen eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums durchgeführt wurde. Abhängig von der Größe wird dann die Aussackung regelmäßig per Ultraschall kontrolliert, ab einer Größe von fünf Zentimetern bei Männern sollte operiert werden.

Wie können Sie den Betroffenen helfen?
Dr. Udo Huberts: Während einer Operation ersetzen wir den betroffenen Gefäßabschnitt zum Beispiel durch eine Gefäßprothese oder wir bringen zur Stabilisierung des Gefäßes ein Röhrchen ein, einen so genannten Stent. Welche Operation sinnvoll ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren wie der Größe der Aussackung, dem Alter des Patienten und eventuellen chronischen Erkrankungen ab.

Der gemeinsame Bundesausschuss G-BA als oberstes Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung legt die konkreten Leistungen für die Versicherten fest. Nach dessen Empfehlung soll die Vorsorgeuntersuchung vom Hausarzt einmalig für gesetzlich versicherte Männer ab 65 Jahren durchgeführt werden – die letzte Entscheidung des Ministeriums steht allerdings noch aus. Ist die Vorsorge so ausreichend?
Dr. Udo Huberts: Das ist immerhin ein Anfang. Es stimmt zwar, dass Männer sechsmal häufiger betroffen sind als Frauen, das Verhältnis verändert sich aber zu Ungunsten der Frauen je älter die Patienten werden. Daher plädiere ich – und mit mir viele andere Ärzte – das Frauen nicht außen vor bleiben.

Sie führen seit vielen Jahren mindestens einmal im Jahr einen Screeningtag durch, an dem sich Patienten unter anderem kostenlos untersuchen lassen können. Hören Sie damit jetzt auf?
Dr. Udo Huberts: Nein. Noch ist die Entscheidung für die Vorsorgeuntersuchung ja nicht endgültig gefallen, und die Frauen bleiben außen vor. Wir machen also erstmal weiter. Der nächste Termin ist schon geplant. Am 6. Mai 2017 werden wir den Aktionstag mit den Vorträgen und Untersuchungen am St. Josef Krankenhaus Haan wieder anbieten.

 



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