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Juli 2016

Opladen: Waschsets sollen Keime vor der OP reduzieren

Mit Körperschaum, Nasengel und Mundspülung können Patienten im St. Remigius Krankenhaus Opladen selbst vor einem Gelenkersatz ihre Haut reinigen. So will man hier im EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung die ohnehin schon geringe Infektionsrate weiter absenken.

PD Dr. Ralf Decking, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am St. Remigius Krankenhaus Opladen versteht die Angst seiner Patienten vor einer Infektion im Krankenhaus.

PD Dr. Ralf Decking, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am St. Remigius Krankenhaus Opladen, versteht die Angst seiner Patienten vor einer Infektion im Krankenhaus.

Die Angst vor Infektionen, die sie sich im Krankenhaus erwerben könnten, ist bei Patienten groß. Dabei bringen mehr als 80 Prozent der Patienten multi-resistente Erreger selbst mit, so eine Studie des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen in Berlin. Neben vielen anderen Maßnahmen, mit denen das St. Remigius Krankenhaus Opladen sehr gute Quoten erreicht, werden jetzt Waschsets mit in das Hygieneprogramm aufgenommen. „Jeder Patient, bei dem ein künstliches Gelenk eingesetzt werden soll, beginnt drei bis vier Tage vor dem geplanten Eingriff, die natürliche Keimlast seiner Haus zu verringern“, erklärt PD Dr. Ralf Decking, Chefarzt der Orthopädie und Endoprothetik das Konzept. Hautschaum, Nasengel und Mundspülung wirken keimtötend. Denn: Keime, die auf der Haut gut und sinnvoll sind, können Infektionen auslösen, wenn sie über Wunden in das Innere des Körpers gelangen.

Schon seit einigen Jahren wird im St. Remigius Krankenhaus Opladen jeder Patient auf multi-resistente Erreger untersucht. Verpflichtend ist die Untersuchung bei Patienten aus vom Robert-Koch-Institut vorgegebenen Risikogruppen. „Wir haben aber schon multi-resistente Keime bei Patienten festgestellt, die weder in eine dieser Risikogruppen gehören noch selbst wussten, dass sie Träger sind“, erläutert Hygienefachkraft Natalie Commandeur. Dann werden planbare Operationen verschoben. „Da sind wir streng“, sagt PD Dr. Ralf Decking. „Die Gefahr von Komplikationen ist einfach zu hoch.“ Stattdessen werden die Patienten saniert, die Keime mit Medikamenten und speziellen Waschlösungen abgetötet. Erst wenn keine Keime mehr nachgewiesen werden können, wird ein neuer Operationstermin vereinbart.

Die zusätzlichen Maßnahmen kommen gut bei den Patienten an. Das Thema werde immer wichtiger, erklärt PD Dr. Ralf Decking. „Ich werde während der Sprechstunden häufig auf Hygiene und mögliche Infektionen angesprochen, spreche es aber auch selbst aktiv an.“ Der Chefarzt erläutert dann das Maßnahmenpaket. „Wir schauen uns beispielsweise vor dem Eingriff den Zahnstatus an, wir operieren in hochkeimfreien Sälen, kontrollieren die Blutwerte engmaschig und vieles mehr.“ Das Schöne am Waschset sei aber, dass der Patient selbst etwas tun könne, aktiv mitwirken könne.
Die Kosten für die Sets übernimmt das Haus selbst, eine Re-Finanzierung über die Krankenkassen gibt es nicht. „Wir sind ein EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung, wir haben viele Hundert Operationen im Jahr“, sagt Krankenhaus-Direktor Dr. Martin Biller. „Da tragen wir auch Verantwortung für die Patienten.“



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