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Juli 2016

St. Lukas Klinik: Eventrekorder zeichnet Herzrhythmus auf

Stolpert das Herz wird die Klinik per E-Mail informiert und kann sofort die Therapie einleiten. Insbesondere Schlaganfallpatienten können so vor einem zweiten Schlag bewahrt werden.

Ein kleiner Lebensretter. Bereits 60 solcher Eventrekorder hat Dr. Karl-Heinz Beckers, Chefarzt der Inneren Medizin, implantiert.

Ein kleiner Lebensretter. Bereits 60 solcher Eventrekorder hat Dr. Karl-Heinz Beckers, Chefarzt der Inneren Medizin, implantiert.

Weit über 100 000 Mal am Tag schlägt das Herz. Jeden Tag. Wenn es gesund ist. Kommt es aus dem Takt, schlägt zu schnell, zu langsam, unregelmäßig oder setzt einfach aus, kann das schwerwiegende Folgen haben. „Das Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen“, sagt Dr. Karl-Heinz Beckers. Der Herzmuskel ziehe sich nicht mehr richtig zusammen, das Blut stehe nahezu. „Wie in einem Tümpel können sich dann Ablagerungen bilden“, so der Chefarzt der Inneren Medizin an der Solinger St. Lukas Klinik weiter. Die Folge können Gerinnsel sein, die aus dem Herzen in das Gehirn geschwemmt werden und dort einen Schlaganfall auslösen. Etwa ein Drittel aller Schlaganfälle gehen auf solche Gerinnsel zurück, die ihre Ursache im Herzen haben.
Oft sind die gefährlichen Aussetzer des Herzens durch ein Langzeit-EKG sicher zu diagnostizieren. „Manche Herzrhythmusstörungen gibt es nur sehr selten“, sagt Dr. Karl-Heinz Beckers. Sie seien deshalb aber nicht weniger gefährlich. Seit Anfang des Jahres werden in der St. Lukas Klinik so genannte Eventrekorder direkt unter die Haut über dem Herzen implantiert. Sie sind nur wenige Zentimeter groß und können dank einer langlebigen Batterie über drei Jahre die Herztätigkeit aufzeichnen. Jede Nacht werden die Daten übermittelt und schlagen per E-Mail in der Klinik Alarm, wenn das Herz stolpert, zu schnell oder zu langsam schlägt oder schlicht aussetzt. „Bei den Vorgängermodellen mussten die Patienten zu uns kommen und wir haben die Daten alle paar Monate ausgelesen.“ Diese „blinden Phasen“ gebe es jetzt nicht mehr. „Wir sehen die Daten und können den Patienten wenn notwendig direkt kontaktieren und die notwendige Therapie einleiten.“
60 Patienten wurden die Eventrekorder bereits implantiert, vor allem bei Patienten, die bereits wegen eines Schlaganfalls auf der Spezialstation, der Stroke Unit, behandelt würden. Bei einem halben Dutzend konnte dank der Aufzeichnungen die Therapie eingeleitet werden, die vielleicht vor einem zweiten Schlaganfall bewahren kann. Blutverdünnung sei hier das Mittel der Wahl, sagt der Chefarzt. „Hier greifen die Schlaganfall-Einheit der St. Lukas Klinik und die diagnostischen Möglichkeiten der Inneren Medizin ineinander“, sagt Krankenhaus-Direktor Johannes Wecker über den Eventrekorder, den er liebevoll „das kleine Wunderkästchen“ nennt.



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