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November 2015

1. Hildener Kontinenz-Nachmittag

Sich vor Angst oder besser Lachen in die Hose machen? Das ist unangenehm, kann aber passieren. Weniger angenehm ist es, wenn die Ursache für die unfreiwillige Blasenschwäche Inkontinenz ist. Im Kplus Forum findet am 25. November, ab 16.30 Uhr eine Patientenveranstaltung statt. Interessierte und von Inkontinenz Betroffene können sich bei Medizinern des St. Josefs Krankenhaus Hilden zu den Themen Harn- und Stuhlinkontinenz informieren.

Toilettenschloss

In Deutschland leiden mehr als sechs Millionen Menschen unter Harninkontinenz und etwa 800.000 unter Stuhlinkontinenz. Damit ist Inkontinenz eine Volkskrankheit, die viele verschiedene Ursachen und Ausprägungen haben kann, für die es aber auch sehr gute Möglichkeiten der Behandlung gibt. Trotzdem ist diese Erkrankung ein schwieriges Thema, das von vielen mit Schweigen belegt wird. Betroffene wagen es aus Scham oft nicht, über ihre gesundheitlichen Probleme zu sprechen – nicht einmal mit ihrem Arzt. Dabei sind sie keineswegs allein, denn Inkontinenz ist in allen Altersstufen und sowohl bei Männern als auch Frauen vertreten. "Das ist kein Problem, an dem nur Frauen oder alte Leute leiden", sagt Krystian Kuboth, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Josefs Krankenhaus Hilden, und fügt hinzu: „Inkontinenz ist kein Schicksal, das man ertragen muss und keine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens, es ist eine Erkrankung wie viele andere auch.“

Dennoch ist das Thema mit vielen Tabus behaftet. Die Folge ist eine massive Einschränkung der Lebensqualität. Von Inkontinenz Betroffene trauen sich nicht mehr, an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen, bleiben stattdessen lieber zu Hause und verlieren viele ihrer sozialen Kontakte. „Genau diese Tabus wollen wir aufbrechen und die Menschen auffordern, sich ihrem Krankheitsbild zu stellen“, so Dr. Peter Philipp Pohl, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Hildener Krankenhaus und Organisator des Nachmittags. Die Stuhlinkontinenz, an der in Deutschland ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung in unterschiedlicher Ausprägung leiden, wird in der Gesellschaft noch stärker tabuisiert. Zu den Betroffenen gehören vor allem Senioren und Menschen nach Krebsoperationen oder Schlaganfällen sowie Frauen, die mehrfach geboren haben. Eine Stuhlinkontinenz kann durch verschiedene Ursachen wie etwa eine Nervenschädigung nach einem operativen Eingriff oder eine schwache Beckenbodenmuskulatur hervorgerufen werden. „Mit guter Diagnostik und einer gezielten Therapie können wir die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend verbessern. Meistens helfen bereits konservative Behandlungsmethoden, so dass ein operativer Eingriff nur in wenigen Fällen nötig ist“, erläutert Dr. Pohl und wird auch an dem Nachmittag zu alternativen Therapien bei Stuhlinkontinenz sprechen. „Kein Betroffener muss sich schämen. Inkontinenz kann unterschiedlichste Ursachen haben. Oft ist aber die Lösung des Problems viel einfacher, als die Betroffenen denken.“

In vielen Fällen kann die Krankheit z.B. durch eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten gebessert werden. Auch Beckenboden-Gymnastik stärkt gezielt die Muskeln im Anal- und Beckenbereich. „Das Beckenbodentraining ist vor allem bei Patienten mit Bindegewebsschwäche und bei Frauen, die mehrere Geburten hatten, sehr wirksam“, erklärt der Krystian Kuboth. Erweisen sich diese nicht-operativen Methoden als nicht ausreichend wirksam oder bestehen krankhafte Veränderungen des Enddarmes oder des Schließmuskels, kann eine Operation helfen. Als dritter Referent konnte Prof. Henning Hansen, gewonnen werden, der über die Schrittmachertherapie bei analer Inkontinenz sprechen wird.
So unterschiedlich die Behandlungsansätze auch sind, alle Mediziner appellieren an die Betroffenen eindringlich, sich mit ihren Beschwerden in ärztliche Obhut zu begeben und die Schweigespirale zu durchbrechen. Dieser Nachmittag soll Betroffenen die Möglichkeit des Austauschs und der Information untereinander und mit den Experten geben.



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