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Oktober 2014

St. Albertus Altenheim Leverkusen: Mit 102 Jahren viel erlebt

Charlotte Kreische ist die älteste Bewohnerin im St. Albertus Altenheim in Leverkusen. Mit 102 Jahren blickt sie auf ein äußerst bewegendes Leben zurück, das aus vielen schweren Zeiten bestand, aber auch glückliche Momente bereithielt.

Im Bild zu sehen von links: Henriette Edelmann, kommissarische Wohnbereichsleiterin, Charlotte Kreische und Lydia Engels, Pflegedienstleiterin der Einrichtung.

Im Bild zu sehen von links: Henriette Edelmann, kommissarische Wohnbereichsleiterin, Charlotte Kreische und Lydia Engels, Pflegedienstleiterin der Einrichtung.

12. Oktober 1912 in Breslau, Polen. Charlotte Kreische wird zwei Jahre vor Beginn des ersten Weltkriegs geboren. Noch bevor die Geschicke der Weltpolitik ihr Leben prägen können, sind es die damaligen gesellschaftlichen Ansichten, die mit der Geburt über Charlotte Kreisches Leben bestimmen. Sie erblickt als uneheliches Kind das Licht der Welt. Als wäre das nicht für die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon schlimm genug, ist ihre Mutter eine Hutmacherin und ihr Vater Inhaber einer größeren Firma. „Meine Eltern waren also nicht ebenbürtig und durften daher nicht heiraten“, erzählt Charlotte Kreische. „Ich bin in einer Pflegefamilie in Oppeln groß geworden, bis zu meiner Einschulung.“ Zuhause bleiben kam als uneheliches Kind nicht infrage. Nach wenigen Jahren in der Pflegefamilie wurde die Pflegemutter zu alt, um sich um Charlotte zu kümmern, so kam sie zur eigenen Großmutter. „Bei anderen Familienmitgliedern wurde ich immer als entfernte Verwandte vorgestellt, ich durfte zwar bei allen Feiern und Anlässen dabei sein, doch nie sagen, wer ich wirklich bin.“ In dieser Situation ist sie aufgewachsen. Groß geworden in der Zeit des ersten Weltkrieges und dessen Nachkriegszeit, bis sie selbst heiratete und „dann kam der nächste Krieg.“ Charlotte Kreisches Ehemann fiel früh, die Familie wurde enteignet, über ein Jahr war sie mit der eigenen noch jungen Tochter und ihrer Mutter auf der Flucht nach Deutschland. „In Dresden haben wir den großen Bombenangriff 1945 miterleben müssen“, schildert sie.

Geprägt von Krieg und Zurückweisung innerhalb der eigenen Familie und Gesellschaft baut Charlotte Kreische in Erfurt ein neues Leben auf, lernt ihren zweiten Ehemann kennen und bekommt einen Sohn. Es beginnen schönere Zeiten. In Haus- und Handarbeit findet sie ihre Erfüllung, arbeitet zudem viele Jahre als Straßenbahnschaffnerin. Die Tochter zieht es im Laufe der Jahre nach Leverkusen, Charlotte Kreische folgt ihr 1999, lässt sich von ihr pflegen, bis sie mit 100 Jahren ins St. Albertus Altenheim einzieht. „Frau Kreische ist eine liebenswerte Person und lacht immer“, sagt Henriette Edelmann, kommissarische Wohnbereichsleiterin im St. Albertus Altenheim über ihre älteste Bewohnerin. Auch Lydia Engels, Pflegedienstleiterin der Einrichtung, ist immer bewegt, wenn sie Charlotte Kreische trifft: „Es ist beeindruckend, wie Frau Kreische mit ihrer Geschichte umgeht, von all den schrecklichen Situationen erzählt und im nächsten Moment ihr Lachen wieder gewinnt.“ Gelacht wurde auch bei der Geburtstagsfeier im kleinen Familienkreis zum 102. Jahrestag am Sonntag, ehe tags drauf Bezirksvorsteher Rainer Schiefer, die Glückwünsche der Stadt ausrichtete.
 



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