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November 2013

Pflegetraining: Brücken in den Alltag bauen

Das St. Josef Krankenhaus Wiesdorf verbessert mit Pflegetrainern den Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege. Das Modellprojekt wird von der AOK Rheinland/Hamburg und der Universität Bielefeld ermöglicht.

Pflegetrainerin Sandra Posor hilft auch nach dem Krankenhausaufenthalt.

Pflegetrainerin Sandra Posor hilft auch nach dem Krankenhausaufenthalt.

Die Pflegebedürftigkeit trifft Angehörige und Pflegebedürftige oft wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Schnell müssen während des Krankenhausaufenthaltes Entscheidungen getroffen werden, deren Auswirkungen auf den Alltag des Angehörigen nur schwer umrissen werden können. Überforderung und Erschöpfung können die Folge sein. 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden heute zu Hause von ihren Partnern, Kindern oder Freunden betreut.

Seit Oktober unterstützt das St. Josef Krankenhaus Wiesdorf Angehörige in besonderer Weise in den ersten Wochen die Angehörigen bei ihrer neuen Aufgabe im Modellprojekt „Familiale Pflege“ der Universität Bielefeld. Finanziert wird es von der AOK, nicht nur für die eigenen Mitglieder, sondern für alle. So kann sich Pflegetrainerin Sandra Posor kümmern: Sie hat ein offenes Ohr für die Sorgen und Ängste, die mit der neuen Situation aufkommen. Sie zeigt wichtige Handgriffe für die Pflege, die den Alltag erleichtern. Sie hilft, ein Netzwerk aus Familie, Freunden und Nachbarn aufzubauen, um die Pflege auf mehrere Schultern zu verteilen. „Der Angehörige muss lernen, sich selbst zu pflegen“, sagt die Pflegetrainerin.

Ganz praxisnah versucht das Modellprojekt Hilfestellungen anzubieten. Ein Erstgespräch mit den Angehörigen, in individuellen Pflegetrainings werden schon während des Krankenhausaufenthaltes wichtige Handgriffe geübt. Bis zu sechs Wochen nach Entlassung steht die Sandra Posor den Angehörigen zur Verfügung, telefonisch, aber auch in der häuslichen Umgebung. Hier gilt es Stolperfallen zu identifizieren, den Einsatz von Hilfsmitteln zu optimieren und immer wieder Lösungen aufzuzeigen, bevor es zur Überforderung kommt. „Die zunehmende Pflegebedürftigkeit führt zunehmend auch zu Krisen in der Familie“, weiß Dorothee Lebeda von der Universität Bielefeld. Hier vorzubeugen ist das erklärte Ziel.

Auch Chefarzt Dr. Ingo Reinecke kennt die Sorgen der Angehörigen. „Kein Patient soll unversorgt entlassen werden.“ Jetzt hat man aber die Möglichkeit, auch über den Krankenhausaufenthalt hinaus die Versorgung zu steuern und Fragen zu beantworten, die erst in den ersten Wochen zuhause gestellt haben. Natürlich stehe während des Krankenhausaufenthaltes der Patient, seine Wiederherstellung im Vordergrund. Mit dem Projekt wird der Scheinwerfer auf die Belange der Angehörigen gestellt. „Eine gebeutelte Gruppe“, sagt Dr. Ingo Reinecke.



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